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In ihrer Reihe „Berliner Kinder“ trifft Pelén Menschen, die sie achtet und schätzt. Sie inspirieren sie alle auf ihre Art und Weise, sind kreativ und lieben das Leben in Berlin.

Berliner Kinder: Trinkt mehr Ayran

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Er lebt in Berlin, arbeitet in Berlin, liebt Berlin und freut sich, wenn der 1. FC Köln ein Tor schießt.


Ich laufe auf Selcuk “Ayranmaiden” Erdogan zu. Er wartet bereits vor der Schwalbe im Prenzlauer Berg auf mich, wir begrüßen uns und gehen rein. Sel bestellt sein erstes Kölsch. Der gebürtige Bonner lebt seit vier Jahren in Berlin, ist 32 Jahre alt und Chefredakteur bei einem Online-Musiksender namens tape.tv.


Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich ihn vor 1 ½ Jahren zum ersten Mal sah. Über einen gemeinsamen Freund lernten wir uns kennen, doch wirklich gesprochen hatten wir nie. Sei es wegen seiner damaligen Freundin oder meiner Person – wenn wir uns gesehen hatten teilten wir nichts. Er wirkte nicht sonderlich sympathisch auf mich, eher arrogant. Mittlerweile ist er Single und gesprochen haben wir seitdem auch das ein oder andere Mal und ich muss gestehen – mein erster Eindruck war falsch.


Er ist Single und jetzt könnte man sich fragen – Warum? „Einerseits, weil es sich derzeit nicht anders ergibt, andererseits finde ich das auch vollkommen okay so. Ich bin also nicht auf der Suche. Wenn es passt, passt es, dann muss man nicht lange überlegen, ob man Zeit hätte für eine Beziehung oder nicht. Daran kann es also nicht liegen. Ich glaube mich muss man mögen, um mich mögen zu können“ lacht und nimmt einen Schluck von seinem Kölsch. Ich denke kurz über den Satz nach und finde Gefallen daran.


Aber ist es in Berlin schwieriger eine Freundin zu bekommen als in einer anderen Stadt?


„Da liegt die Deutungshoheit wohl bei denen, die behaupten, dass Berlin zu schnelllebig sei, so dass man gar keine Zeit fände, sich einer Beziehung ernsthaft zu widmen. Aber das sollte man nicht auf sich selbst beziehen müssen“, antwortet er auf meine Frage, die so viele meiner weiblichen Single-Freunde in den Raum werfen.

„Natürlich gibt es Faktoren, die dafür sprechen, dass es generell schwieriger ist in einer Großstadt, und dann selbstredend besonders in Berlin. Man könnte sagen, Männlein sowie Weiblein sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht. Wie soll man sich auch finden, wenn man u.a. durch die Medien getrieben, immer auf der Suche nach etwas Größeren, Grelleren, Geileren ist, ohne genau zu wissen, was das eigentlich sein soll? Diese Suche, diese angestachelte Gier, kann einen dazu verleiten, die wahre Schönheit vor Augen nicht zu erkennen. Zudem ist Berlin eine Stadt, die es dir erlaubt, dich individuell auszuleben, die es sogar indirekt propagiert. Denn auf der einen Seite absorbiert dich die Stadt schon nach wenigen Stunden, macht dich zum Teil ihrer selbst mit dem Ergebnis, dass man Angst hat, in der Masse unterzugehen. Das wiederum fördert andererseits den Drang, sein eigenes Ich zu schützen, sich nicht aufzugeben – teilweise mündet das in einem radikalisierten Individualismus. Auch das ist eine Barriere, denn eine Beziehung besteht – so will es die Gesellschaft – nicht aus zwei Individuen, sondern aus einer Einheit. Sprich, wer eine Beziehung möchte, gibt sich zum Teil als Individuum auf. Kleiner Teufelskreis, würde ich sagen“ lächelt und zieht die Schultern etwas hoch.


Für viele Singles ist es wichtig zu wissen, wo man jemanden kennen lernen kann. Meine Frage, wo und wie sein perfektes Date sein sollte, beantwortet er mit einem klaren Kopfschütteln. „ So eine Vorstellung trage ich nicht in mir! Schau´, ich hatte eine jahrelang haltende Beziehung zu einem tollen Menschen, habe diese Frau aber im Club kennen gelernt. Und dort, glaubt man den Gutmenschen um uns herum, lernt man ja eigentlich nur Affären kennen, nicht aber die große Liebe.


Plötzlich springt er auf. Köln hat das zweite Tor geschossen. Wir sitzen unten im Keller der Schwalbe und über die Hälfte der Zuschauer ist wohl Köln-Fan. Lautes Jubeln im Raum.


Nachdem er sein viertes Kölsch bestellt hat setzt er sich wieder hin und fährt fort: „Wenn man offen ist, kann es tatsächlich überall passieren. Im Regelfall lernt man sich aber, das sagt ja auch die Literatur, über gemeinsame Freundeskreise oder das Arbeitsumfeld kennen. Der perfekte Abend ist ohnehin nicht planbar, sondern ergibt sich am nächsten Morgen, wenn Sie immer noch da ist und man Lust hat, den Tag gemeinsam zu begehen. Und dann den nächsten, und den übernächsten…“.


Was glaubst du – schadet so etwas wie Facebook der Beziehung von Frauen und Männern oder hilft es sogar? Datet man sich heutzutage noch oder chattet man primär?

„Ich war ohnehin noch nie der Typ, der sich alle drei Tage mit einer Lady datet. Ich weiß nicht, woran das liegt. Sicherlich nicht daran, dass ich nichts zu sagen hätte, ihr nicht zuhören wollte, oder keine Dusche zu Hause habe“, Sel grinst mich an und erzählt weiter: „Dennoch war das typische Daten nie meine Leidenschaft, da bin ich wohl eher mit dem Schicksal down. Wenn es etwas für mich bereithält, dann gerne, doch suchen werde ich nicht. Aber – Kennen lernen sollte man sich unbedingt face to face. Es gibt auch so schon genug Hindernisse in der Kommunikation zwischen Mann und Frau, die auf dem Weg zur Beziehung und auch während dessen zu überwinden sind, da muss man sich nicht noch eine non verbale Kommunikation aufzwängen. Was in Chats z.B. häufig passiert, nicht nur bei Menschen die sich noch wenig bis gar nicht kennen, ist das Paradebeispiel für misslungene Kommunikation. Man redet aneinander vorbei und versucht mit Smilies zu retten was geht. Nein, nein, nein.“ Wir müssen beide laut lachen und ich denke an meine Chats und kann ihm tatsächlich nur zustimmen.


Köln hat mittlerweile das dritte Tor geschossen. Sel’s Laune steigt ins Unermessliche.


Was wünschst du dir für deine Zukunft, sowohl beruflich als auch privat?

„Beruflich sehe ich ja täglich, woran wir bei tape.tv arbeiten, was wir in den kommenden Monaten und Jahren schaffen möchten. Ich hoffe, dass wir die Energie, die wir alle reinstecken, am lodern halten und damit was Großes erreichen. Ich bin wirklich froh, Teil dieser Truppe zu sein. Privat vage ich eigentlich immer nur folgendes zu wünschen bzw. hoffen: Dass meine Familie und die von mir geliebten Menschen gesund und glücklich bleiben und das ihre Wünsche für mich selbiges beinhalten, dann hat man alles richtig gemacht.“ Er lächelt mich an, ich denke innerlich „Amen“ und wir drehen uns beide zur Leinwand.


Selcuk “Ayranmaiden” Erdogan, eines meiner Berliner Kinder.


Berliner Kinder: Trinkt mehr Ayran




Berliner Kinder: Von nix kommt nix

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Dass mein Berliner Kind ein waschechter Berliner ist, erkennt man sobald er den Mund aufmacht. Aus „ich“ wird „icke“, die Schnauze hat er och.


Harris ist 33 Jahre alt, seit fast zehn Jahren verheiratet und bald dreifacher Vater. Ein klassischer, fast schon langweiliger Weg mag man meinen, wenn man ihn nicht kennt. Seine Optik, sein Verhalten und vor allem sein Beruf machen ihn zu einem untypischen Deutschen, Familienvater und Rapper.


Wir begrüßen uns mit einer Umarmung. Trotz hoher Schuhe fühle ich mich klein. Seine Haare sind zu einem Irokese rasiert. Er trägt eine karierte Nike Jacke, eine graue Jeans und auch Nike Sneaker. Seine Arme sind voll mit Tattoos. Im Gespräch erfahre ich, der Rest seines Körpers auch. Wir setzen uns in ein Café im Westen. Draussen regnet es in Strömen, doch wir gehen ab und an während des Gesprächs raus, um eine zu rauchen.


Von einem deutschen Berliner Rapper, der schon mit Sido als Lieblingsrapper zusammen arbeitete, erwartet man eigentlich andere Texte. Es fällt auf, dass er viel über die Liebe zu seiner Frau und seinen Kindern spricht. „Vielleicht mache ich es, weil es nicht üblich ist. Gerade Rap spiegelt immer das wider, was man sieht und lebt. Ich für meinen Teil sehe nun mal meine Frau und meine Kids als die Hauptrolle in meinem Leben an. Songs über Party, Alkohol und Drogen habe ich auch“, lächelt er und greift zu seinem Kaffee.


Bei dem Stichwort Party hake ich nach. Nicht nur in Berlin, sondern auch in anderen Städten macht Harris viel Party oder trifft sich mit seinen Jungs. Teil des Jobs oder doch nur persönlicher Freiraum? „ Ich gehe viel aus, weil ich gerne unter Leute bin. Als DJ muss man das auch sein, aber ich muss ehrlich gestehen, dass das ein Laster von mir ist, denn ich mache nun mal gerne Party“, grinst er mich an. Ich nicke ihm stimmend zu und muss auch schmunzeln. „Wenn ich zum Beispiel in Berlin ausgehe, lege ich meistens davor auf oder habe ein Meeting, Abendessen oder ähnliches. Party machen bei mir hat sich nur in den Jahren verändert: Der Unterschied zu damals ist, dass ich jetzt die Miete damit zahle, meine Familie ernähre und damit meinen Kids was zum Anziehen kaufen kann. Ich bin gesegnet und habe Glück, dass ich mit ’Party machen’ Geld verdiene.“


Gerade für mich ist es erstaunlich, dass ein Mann im Alter von 23 geheiratet hat. So komme ich nicht umhin ihn zu fragen, ob man da überhaupt schon bereit ist für die Ehe? Hat man wirklich alles zuvor gesehen?


Harris bestellt ein Stück Käsekuchen.


„Ich hab in dem Moment einfach gewusst, dass es so sein soll. Ob man im Allgemeinen dafür bereit ist, kommt ganz auf den Menschen drauf an. Ich glaube es gibt  viele, die heutzutage aus den falschen Gründen heiraten. Sei es wegen einer Schwangerschaft, den Steuern, Druck der Familie etc. Teilweise haben viele gar keine Ahnung, was es überhaupt bedeutet verheiratet zu sein. Da gibt es Typen, die von ihrer “Frau” erzählen und umgekehrt und die sind gerade mal fünf Monate zusammen und nach weiteren fünf Monaten ist ein anderer plötzlich die “Frau“ oder der “Mann“. Viele haben nicht mehr den nötigen Respekt oder die nötige Wertschätzung einer Ehe gegenüber.

Es ist schon wichtig eine gewisse Erfahrung zu haben oder sie mit in die Ehe zubringen. Ein Wenig von der Welt gesehen zu haben oder bestimmte Dinge gemacht zu haben ist nicht verkehrt.“


Gesehen habe auch ich ihn auf diversen Events, in Clubs. Den Blick dafür oder doch nur die Neugier, sehe ich immer wieder Groupies, die am Bühnenrand stehen oder mit den Hufen am DJ-Pult scharren. Ich sehe an seinem Blick, dass ihm das Thema nicht unangenehm ist, vielmehr schwillt seine Brust. Auf meine Frage hin, inwieweit er die Aufmerksamkeit von Frauen genießt und wann es zu weit geht, antwortet er mit: „ Ja ja, die Weibaz.“ Wir müssen beide laut lachen.


„Es geht um Aufmerksamkeit bei fast allem was ich mache, sonst würde ich nicht machen, was ich mache. Natürlich ist es toll, wenn Frauen geiern, klingt komisch aber es ist auch lustig wie die Typen geiern. Beide Parteien kiecken gleich, manchmal mit Hate in den Augen und manchmal mit Liebe. Letzteres ist mir natürlich lieber.

Wann es zu weit geht sollte für jeden klar sein. Wenn ich ein Foto machen soll mit einem Mädchen, dann mach ich das. Wenn sie mich dann aber nicht loslassen will, weil sie so in Euphorie ist, dann schlag ich nicht gleich zu.“ Ich höre die Ironie heraus, schaue mich dennoch im Café um, ob das jemand gehört hat.


Ganz ungestört sind wir beim Rauchen nicht, denn immer mal wieder sehe ich Blicke von Jungs, die an uns vorbei laufen und ihn erkennen.


Er selbst ist verheiratet. Dennoch stelle ich ihm die Frage, was er zu den Männern sagt, die sich nicht festlegen können, die von Frau zu Frau tingeln. Wollen sie alle wirklich nichts Festes oder haben sie nur noch nicht die große Liebe getroffen? „Ja klar, gibt es genug davon, auch in meinem Kreis. Meistens, wenn die Männer die so genannte große Liebe erkennen, ist es schon zu spät. Der Zug ist abgefahren, hat Spaß gemacht, aber man hat es voll verkackt und es gibt dann sehr selten ein Happy End.

Oft, und ich glaube das ist bei Frauen nicht anders, kommt dann das sinnlose Besaufen, Rumvögeln und die tägliche Frage nach dem ’Warum’.

Viele Frauen und Männer sehen keinen Sinn in einer festen Beziehung oder haben Angst wieder verletzt zu werden oder oder. Aber ja, ich verstehe Typen, weil Männer sind sie glaube ich noch nicht, die einfach ohne große Bedenken leben. Habe ich auch gemacht mit 17 oder 18“, lacht er und fügt hinzu: „Scherz. Aber im Ernst, wann ist ein Mann ein Mann?“


Also verstehst du die Probleme der Single-Mädchen?


„Ich verstehe die Mädchen und Frauen dieser Erde, aber ich muss auch zugeben, dass sie zum größten Teil selbst schuld daran sind. Das fängt doch damit an“, plötzlich unterbricht er sich selbst und sagt: „Scheisse, ich glaube dit wird jetzt zu lang.“ Da ich aber persönlich das Gespräch an seinem Höhepunkt empfinde, ermutige ich ihn weiter zu sprechen.

„Also das fängt doch damit an, dass sie nicht das machen, was sie eigentlich wollen und was sie von einem Mann verlangen. Ich kann nur aus Erfahrung meiner Jungs reden, denn meine Frau hat mich nicht versucht zu ändern. Das ist oft das größte Problem, denke ich. Die Frau versucht den Typen nach und nach auf ihre Wünsche hin umzuformen. Aber wir sind kein Wunschkonzert. Wir sind simpel und einfach gestrickt, Am Wochenende gibt es zum Beispiel Fußball, in der Woche die Arbeit und zwischendurch noch die Freunde. Aber ihr versucht uns immer mehr von unserem geliebten, einfach gestrickten Leben weg zu holen, teilweise sogar zu reißen und wundert euch dann, wenn wir zickig werden. Und wir haben das Recht im Jahr 2010 zickig zu sein, wenn ihr Fußball moderiert. Ich meine, es könnte so einfach sein, aber ihr Frauen und wir Männer machen es uns auch gegenseitig schwer.“


Ich mag seine Art. Noch mehr mag ich, dass er dem Klischee eines Rappers so gar nicht entspricht. Er ist höflich, respektvoll und liebt. In jeder Hinsicht. Ich bin überrascht über seine offenen Worte über Frauen und fühle mich im gleichen Moment auch ertappt. „Könnnen wir dazu irgendwann noch ein Interview machen? Ich hätte viele Tipps“, fügt er hinzu. Ich überlege kurz und lächle ihn an.


Harris, eines meiner Berliner Kinder.


Berliner Kinder: Von nix kommt nix

Berliner Kinder: Man weiß es einfach nicht

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Sie ist keine gebürtige Berlinerin, lebt aber seit Jahren in der Hauptstadt. Sie hat sich einen Namen gemacht, kennt die Modeszene in- und auswendig, kennt die Sonnen- und Schattenseiten der Glamourwelt. Auf den ersten Blick wirkt sie meist arrogant und unnahbar, doch strahlt sie einen erstmal an, erkennt man einen herzlichen, lustigen und vor allem warmen Menschen.

Unser Treffen ist spontan, dennoch liegt er zwischen zwei Terminen. Jeanette fährt mit ihrem Fahrrad vor, schliesst es an der nächsten Möglichkeit an und kommt auf mich zu. Es ist kalt, die Sonne scheint aber, und ermöglicht einem Draussen Platz zu nehmen.

Sie ist von Kopf bis Fuß in Schwarz gekleidet. Noch nie habe ich sie in etwas anderem gesehen. „Es ist zeitlos und variabel. Gerade in meinem Job ist schwarz elegant und fällt weder positiv noch negativ auf. Ich habe auch bunte Kleider“, lacht sie und fügt hinzu „Die trage ich dann aber eher im Urlaub und nicht im Alltag.“


Jeanette leitet den Modebereich eines internationalen Mode-/Kunstmagazins, hatte selbst vor zwei Jahren ein eigenes Magazin auf den Markt gebracht. Sie schreibt für internationale Magazine und Zeitungen, fungiert als Beraterin für Modefirmen.
In dieser Branche muss man Small Talks führen können, immer präsent sein und sein Privatleben oft durchaus nach hinten anstellen. Was fasziniert sie an der Modewelt? „Es ist Zufall, dass ich da gelandet bin.“

Geboren in Stuttgart hat sie ihre Jugend in Graz verbracht bis sie dann schließlich vor sieben Jahren nach Berlin zog. Der Drang nach Deutschland zu kommen kam auf, und so musste sie sich für eine Stadt entscheiden. „Wieder nach Stuttgart zu gehen wäre für mich ein Schritt zurück gewesen. Also entschied ich mich für Berlin.“ Jeanette wirkt in sich ruhend. Sie trinkt ihren Pfefferminztee, isst Obst mit Joghurt und strahlt. Immer wieder.

Die Modewelt fasziniert sie nicht, sondern eher das arbeiten mit Mode. „Es geht mir darum emotionale Erlebnisse, gesellschaftliche Phänomene oder politische Ereignisse zu bearbeiten und diese kreativ umzusetzen. Und das mache ich im Moment hauptsächlich in Form von Fotografiestrecken.“


Ihre Mutter ist Ungarin, ihr Vater Deutscher. Sie selbst sieht sich als Ungarin, liebt die Menschen, das Land, die Kultur. Ungarn bedeutet für sie Heimat. Jeanette pendelt zwischen Berlin und New York, liebt und lebt das Metropolenleben, antwortet aber auf meine Frage, ob sie sich vorstellen kann, irgendwann in Ungarn zu leben, mit einem Ja.


Man sagt ja gerne, dass man den Partner über den Job kennen lernen kann. In der Mode gibt es überdurchschnittlich viele Frauen und Schwule. Wie kann man da jemanden treffen und sich verlieben? „Das ist mir, ehrlich gesagt, auch noch nie passiert, auch weiss ich nicht, ob mir die Idee gefällt, mit jemanden aus der gleichen Branche zusammen zu sein.“

Die Frage nach Liebe bleibt nicht aus, warum auch. „Es passiert selten, dass ich mich verliebe. Ein Mann muss mich faszinieren. Er muss ein Leuchten in den Augen haben, für eine Sache brennen.“

Jeanette glaubt an das Schicksal, an Begegnungen, kennt aber auch ihre Schwächen. Sie weiss, dass ihr wahres Ich verschlossen ist und dies ihr manchmal zum Verhängnis werden kann, gerade wenn man einen mag. Kontaktfreudigkeit, Anekdoten aus ihrem Leben, über Ungarn zu erzählen – ihre Inspiration ist der Austausch mit Menschen. Dennoch bleibt eine Mauer, wenn es um ihre Gefühle geht. Nur gewisse Menschen schaffen es, diese zu durchbrechen und hinter die Facette zu schauen.


Meine Frage, ob sie an die eine Liebe glaubt, beantwortet sie mit „Ja, das tue ich.“ Wir lächeln beide und ich frage ganz offen warum? „Vielleicht halte ich mich auch an der naiven Wunschvorstellung – wie es meine Mutter jahrelang getan hat, bevor sie an ihr Ziel kam – fest. Den klassischen Weg gibt es nicht immer, gerade in Städten wie Berlin oder New York. Es ist schwierig, jemanden zu finden, alles ist schnelllebig. Aber gerade das suche ich nicht in meinem Privatleben. Da möchte ich Ruhe.“


Ob sie sich einen zeitlichen Rahmen gesetzt hat, wann sie heiraten wird, Kinder bekommen möchte? So wie sie an die Liebe glaubt, glaubt sie auch an Hindernisse. „Alles kommt, wie’s eben kommt“, lächelt mich an und trinkt einen Schluck von ihrem Tee.


Jeanette Hepp, eines meiner Berliner Kinder.


Berliner Kinder: Man weiß es einfach nicht

Berliner Kinder: Warte mal

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Erwähnt man seinen Namen in Berlin, bekommt man ein Kopfnicken. Man muss nur selten seine Person erklären, die meisten Berliner kennen ihn und haben zu seiner Musik auf der einen oder anderen Veranstaltung getanzt. Man liest über ihn, man spricht über ihn. Seine Events sind beliebt und gut besucht. Er bringt die Berliner in die Clubs und vereint Urbane Musik mit schicken Lokalitäten. Er hat etwas geschaffen, wovon viele sicherlich träumen – Er hat sich einen Namen gemacht und kann als DJ und Veranstalter in einer Stadt wie Berlin überleben. Und das sehr gut.


Ein alter Mercedes Coupé fährt vor. Gabriel steigt aus und kommt auf mich zu. Er trägt einen blauen Pullover mit einem Hemd darunter. Seine Hose ist legere, er trägt die neuesten Nike Airmax dazu. Er hat schulterlange lockige Haare, trägt sie zu einem Zopf. Wir begrüßen uns und ich blicke zu ihm runter. Er wirkt zurückhaltend.


Wir gehen zum Türken um die Ecke. Er meint, das Essen schmeckt ihm da am Besten. Das Interieur ist schlicht, fast schon alt, aber gemütlich. Am Eingang gibt es eine Essenstheke. Wir suchen uns etwas aus, nehmen dann Platz am Fenster. Ein paar Wortwechsel und ich erkenne seine Zahnspange und komme nicht drum herum ihn zu fragen, warum ein Mann mit 36 eine trägt. Er hatte letztes Jahr einen Unfall und nun müssen seine Zähne korrigiert werden. „Ich stehe in der Öffentlichkeit, da muss ich gut aussehen“, lacht er und bestellt eine Coca Cola.


Muss man als DJ erst recht unterscheiden, ob Frauen einen nur wegen dem Status wollen? „Solche Frauen gibt es, aber die gehören nicht zu meinem Leben. Wenn ich außerhalb von dem ganzen Clubleben Frauen kennen lerne, erzähle ich auch nicht gleich, was ich beruflich mache. Ich glaube schon, dass mein Job für Frauen reizvoll ist, aber mit der Zeit kristallisiert sich schnell heraus, ob sie nur auf die Gästeliste und was von meinem Fame abhaben wollen oder ob sie an dem Menschen Gabriel interessiert sind.“

Unser Essen kommt. Es gibt Reis mit Köfte. Auf meine Frage, ob er sich schnell verliebt antwortet er klar mit einem Nein. „Ich kann mich schnell für jemanden begeistern, aber verlieben nein. Ich bin auch schnell gelangweilt. Mich konnte noch keine Frau so richtig begeistern.“ Ich frage ihn weiter, ob er denn schon einmal geliebt hat? Gabriel überlegt lange und schließlich sagt er nein. „Verknallt eher. Lieben ist doch, wenn es gegenseitig ist oder? Ich sage nein, er sagt ok. Wir verschlucken uns fast vor lachen.

Dennoch oder gerade deshalb komme ich nicht umhin ihn zu fragen, ob er überhaupt an die Liebe glaubt? Wieder schweigt er lange und nuschelt dann ein Ja vor sich hin. Und wann soll sie kommen? „Wenn man es nicht erwartet. Kinder und heiraten will ich auch.“ Er sagt er wäre treu. Wenn er sich für eine Frau entscheidet, dann interessieren ihn auch nicht die anderen, auch wenn sie am DJ Pult kleben.

Gabriel hat ein gutes Verhältnis zu seinen Eltern, für ihn ein normales. Nur wenn er weiss, dass es was Ernstes und Längeres mit einer Frau ist, stellt er diese auch seinen Eltern vor.


Während des Gesprächs klingelt immer wieder sein iPhone. Er entschuldigt sich, nimmt die Anrufe und Nachrichten entgegen. „Ich muss erreichbar sein.“ Sein Tag hat keine klassischen acht Stunden Arbeit, danach Feierabend. Er ist immer und überall erreichbar.

„Wenn ich Termine habe oder ein Date und ständig klingelt das Telefon, dann ist das natürlich unhöflich der Person gegenüber. Ich versuche dies zu trennen, klappt aber nicht immer.“ So kann es auch schon einmal vorkommen, dass er im Club mit einer Frau ist und sie nach ca. zehn Minuten genervt ist, weil er nur angesprochen und begrüßt wird. „Die Leute kommen einfach dazwischen und stören, obwohl ich mit einer Frau da bin. Das nervt.“


Es fällt auf, dass er sich mit vielen hübschen, jungen Frauen umgibt, mehr als mit Männern. Warum das? „Frauen in meinem Alter sind oft schon verheiratet, haben Kinder. Ich habe auch wegen meinem Job viel mit Jüngeren zu tun, das sind die, die ausgehen.“

Nach dem Essen bekommen wir noch einen Tee aufs Haus, nach alter türkischer Tradition. Auf die Frage, was er früher werden wollte und ob er sich trotzdem immer wieder für diesen Lifestyle und Beruf entscheiden würde, antwortet er ja.


Gabriel Tichauer, eines meiner Berliner Kinder.


Berliner Kinder: Warte mal

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MBLN¹¹ - Interview mit Pelén Boramir