24. April 2013
Angefangen hat alles mit Pelén’s Kolumne, die sie zwei Jahre lang jeden Montag veröffentlichte. Sie handelte von Liebe, Missverständnisse, Erlebnisse und Vorurteile. Man möchte meinen, dass nur Frauen ihre Kolumne lasen, doch dem war nicht so. Gerade Männer fanden sie spannend, da sie so Einblick in die ach so komplizierte Frauenwelt bekamen…
Sowohl auf dem Lifestyle-Blog eVe without adam, als auch im proud magazine war ihre Kolumne regelmäßig zu lesen.
Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde
5. Juni 2011
Wenn man einen Mann kennen lernt, heisst es: Neues Spiel, neues Glück. Was habe ich aus vorherigen Beziehungen gelernt? Was habe ich falsch gemacht? Wo müssten meine Alarmglocken läuten? Oder wann kommt der große Knall?
Alte Beziehungen, sei es feste oder doch nur Affären, prägen einen und lassen einen gestärkt oder geschwächt in etwas Neues gehen. „Niemals mache ich den gleichen Fehler nochmal“ ist der Schwur, den man sich selbst vorsagt, ihn aber manchmal doch wieder über Bord wirft. Denn was wir leider zu selten erkennen – das Schauspieltalent mancher Männer. Oh ja, sie können so gut ihren Trieb in Worte fassen. „Ich habe Bock mit dir zu schlafen, auf eine Beziehung bin ich aber erst einmal nicht aus“ sagen sie nicht, sondern schmieren einem Honig um den Mund und verkaufen sich als den perfekten Mann, den man gesucht hat, das komplette Gegenteil natürlich von dem, was man in den letzten Jahren leider hatte. Gefühlter Jackpot vs. reelles Déjà-vu.
Man spricht offen über seine Gefühle, seine Ängste und Erfahrungen. Sagt dem neuen Mann, was man nicht mag und womit man verletzt wurde. Er öffnet sich ebenfalls und zeigt eine durchaus sensible Seite – eine Vertrautheit und Intimität wird allein nur durch Gespräche geschaffen. Alles verläuft gut, man denkt, man ist auf dem richtigen Weg bis er plötzlich das bekommt, was er wollte. Der Honig am Mund verwandelt sich zu Schaum. Das neue Spiel verloren. Nicht, weil man nicht gut gespielt hat, sondern weil es keinen Sieg mehr gab.
Sich immer wieder auf jemanden einlassen, von Null beginnen, sich erklären, beweisen und gehen lassen kann schön, aber auch anstrengend sein. Schön, wenn es danach immer gut ausgeht und etwas länger hält. Anstrengend, wenn nichts daraus wird und man es gefühlte 20 Mal im Jahr macht. Gewisse Dinge wie „an das Gute im Menschen glauben“ fallen einem schwer aufzugeben. Entweder, weil es nicht geht oder man es nicht will. Wenn es bei anderen klappt, warum dann nicht bei mir? Hatten die keinen Sex während der Kennenlernphase? Hatten die keine Schwächen? So bleiben wie man ist, ist ein schöner Gedanke und ein toller Rat, doch wie realistisch ist er für einen Single, der von Falle zu Falle tritt? Obwohl alles gut lief, die plötzliche Wendung – Wann hat man dem Mann den Startschuss dafür gegeben, Teil eines Theaterstücks zu sein? Blackout.
Es tut mir ja Leid für den, der es einmal gut mit einer Frau meint – du musst nun darunter leiden, was deine Homies falsch gemacht haben. Wie soll man Vertrauen haben, wenn schon der erste Satz eine Lüge ist?
Der Mann und das Kind
18. April 2011
Ich dachte eigentlich immer, dass es für mich kein Problem darstellt, einen Mann zu daten, der schon Kinder aus einer früheren Beziehung hat. Da ich gut mit Kindern kann und Kinder liebe, egal ob meine eigenen oder nicht, schien mir das nie ein Hindernis zu sein. Doch ein Kind verändert die Ansichten des Mannes, gegen die eine Frau nur schwer ankämpfen kann.
Nehmen wir einmal die Beziehung zwischen Mutter und Vater, also zwischen dem Mann und seiner Ex. Sie kann noch so sehr zur Vergangenheit gehören – der Mann bleibt ein Leben lang mit dieser Frau verbunden. Er nimmt jeden Anruf von ihr entgegen, zahlt den Urlaub für sie und das Kind, springt, wenn sie Hilfe braucht und ist und bleibt die Mutter seines Kindes. Hört sich nicht unbedingt nach Jackpot an, aber einer Tatsache, mit der man leben könnte, denn sie ist es nun mal. Sie ist die Mutter seines Kindes und da sollte man das best möglichste tun, um das Verhältnis gut zu stimmen, zum Wohle aller Beteiligten.
Die Ex ist also nicht nur die Ex des Freundes, sondern auch die Mutter seines Kindes, also die ewig Tollste und Beste für das Kind. Nicht die Ex, die auf alten, verstaubten Bildern in einem Schuhkarton liegt, sondern die, die gut gestylt das Kind vom Vater abholt. Jede Woche zu sehen, zu lesen, zu hören. Man kann jammern und eifersüchtig sein – bringt alles nichts. Man kann ihren Status nicht streitig machen, sie wird ihn behalten. Man bekommt einen anderen, nicht schlechter, emotional vielleicht sogar besseren.
Doch was, wenn man sich mit diesen Punkten anfreunden kann, es aber immer noch scheitert, und zwar nicht am Kind und nicht an der Ex, sondern an ihm?
Er ist, vielleicht nicht gewollt Vater geworden, liebt die Tatsache jedoch über alles. Er liebt sein Kind und liebt den neuen Fokus, den Sinn und die dazugehörige Aufgabe in seinem Leben. Dafür lohnt es sich, mehr braucht er nicht um glücklich zu sein. Und hier kommt das Problem auf: Er sehnt sich nach Sex. Doch sehnt er sich auch nach einer Beziehung, nach Sicherheit, nach Gemeinsamkeit, ausruhen und ausrasten?
Ein Mann, der schon ein Kind hat, ist meistens nicht mehr auf der ständigen Suche nach der perfekten Frau für eine Beziehung. Er empfindet nicht das Gefühl von allein sein, denn er ist es nicht mehr, er hat sein Kind. Auch wenn er die nächsten Jahre keine Beziehung führen wird, vielleicht nie heiraten wird – er hat sein Kind und ist somit nie einsam, nie allein.
Wie also, wie kann man als neue Frau im Leben eines Mannes, der schon ein Kind hat, das bekommen, was man sich wünscht, nämlich Beständigkeit, Liebe und Zuwachs, wenn der Mann den Drang danach nicht gleichermaßen empfindet, sondern eher Panik bekommt?
Suchen Männer nach Liebe, weil sie nicht allein sein können/wollen oder weil sie ein Gen nach Fortpflanzung in sich tragen? Und wer ein Kind bereits gezeugt hat, hat nicht mehr den Trieb? Den sexuellen ja, doch nicht den der ungeschützten Vermehrung.
Doch Frauen suchen den für sich perfekten Vater ihres Kindes aus und scheitern an einem Mann, der es schon ist und keine Intention in sich trägt, sich selbst glücklich zu sehen oder ist er, wie immer, nicht richtig verliebt, denn wenn er es wäre, würde er eine neue Familie gründen wollen? Man weiss es nicht…
Kolumne 83: Halbzeit
12. April 2011
Beim Fußball sitzen guten Spieler auf der Bank und warten darauf, eingewechselt zu werden. Sie trainieren genauso hart wie die Spieler auf dem Feld, kommen aber nur selten zum Zug. Sehen wir Beziehungen wie ein 90 Minuten Spiel, so müssen wir zugeben, dass wir nicht anders handeln als Trainer. Wir lassen nur bestimmte Spieler auf das Feld, lassen nur weniger die ganzen 90 Minuten spielen und hören nur selten auf die Stimmen der Zuschauer.
Warum haben Frauen und Männer Liebhaber/innen, die sie nur einsetzen, wenn sie gerade keinen anderen haben, den sie fest daten?
Der Sex ist toll, die Chemie einwandfrei, und dennoch sind wir nur Lückenbüßer bis was Besseres kommt und hierbei stellt sich leider die Frage: Was ist besser? Warum denken wir, es würde etwas Besseres kommen? Ist es die „Ich bin zu jeder Zeit bereit“ Haltung des Anderen, die ihn unattraktiv machen oder fehlen gar die Gefühle, die man nie zugelassen hat und jetzt auch nicht mehr kommen können? Wie kann man einen Menschen so sehr begehren, es aber nicht in Betracht ziehen, mit ihm eine Beziehung zu führen?
Natürlich gibt es Menschen, mit denen man im Bett harmoniert, aber am Esstisch noch nicht mal über das Wetter sprechen kann. Aber wenn man sich über Familie, Job, Vergangenheit und Zukunft, Ängste und Träume unterhalten kann und zusätzlich noch attraktiv und anziehend findet – welche Kriterien sprechen dagegen, denjenigen ganze 90 Minute spielen zu lassen?
Haben wir Angst, dass er/sie kein Tor schießt? Dass er/sie uns schlecht verteidigt? Dass die Zuschauer ihn/sie ausbuhen? Dass andere Spieler/innen sauer sind und das Feld verlassen? Dass wir in der Tabelle mit dem Spieler/der Spielerin absteigen? Und weil wir nicht zu 100% dahinter stehen, lassen wir ihn/sie nur ein paar Minuten pro Spiel aufs Feld. Die Leistung wird positiv ein paar Minuten gezeigt, wir sind Fan und pfeifen ihn/sie wieder zurück. Das war’s für dieses Mal. Gut gemacht.
Wir können als Spieler nie unsere volle Leistung zeigen, unser hartes Training nicht unter Beweis stellen, sondern stehen immer nur im Schatten der anderen. Nicht nur beim Trainer, auch bei den Zuschauern. Nur selten wird unser Name von der Tribüne aus gerufen und bejubelt und der Trainer, nun ja, der feiert unser Können in der Kabine, nach dem Spiel.
Und nun stellt sich die Frage: Belässt man es bei den paar Minuten und riskiert keine Schwäche, die man in der Zeit ja nicht sehen kann? Würde man für länger eingewechselt werden, besteht die Möglichkeit, schlecht zu spielen und für immer aus dem Team zu fliegen. Ein Risiko, dass nicht nur für den Trainer, sondern auch für den Spieler da ist. Aber solange wir nur Auswechselspieler sind, geht es im Grunde weder für den Trainer noch für uns weiter. Wir bewegen uns kein Stück voran. Oder wie groß ist die Chance, dass der Trainer einen am Ende von vier Minuten auf 90 spielen lässt? Und das Risiko, dass der Trainer den Auswechselspieler kickt, ist deutlich größer als andersrum.
So lange keine Gefühle da sind, ist Sex eine Lösung zwischen Freunden, die keine Beziehung miteinander haben wollen/können und auch sonst keinen anderen Festen haben. Wartet jedoch der auf der Bank endlich für länger aufs Feld zu kommen, weil es für ihn keinen anderen und besseren Trainer gibt, möchte ich sagen – probier es doch mal mit Tennis.
Kolumne 90: Irgendwann muss man anfangen, seine eigenen Ratschläge zu befolgen
6. Februar 2011
Es ist immer leicht zu sagen, wie man sich verhalten sollte, wenn man einen Mann trifft, wie man mit ihm umgehen müsste oder wie man versuchen könnte, ihm Freiheiten zu geben und dennoch an sich zu binden. In der Theorie ist immer vieles leicht, in der Praxis umso schwerer.
Wir raten unseren Freundinnen endlich von diesem einen Typen loszukommen, der es nicht ernst mit ihr meint, vergessen dabei aber oft, wie wir selbst sind, wenn wir in solch einer Situation sind. Unsere Ratschläge kommen nicht von ungefähr, denn vielleicht weil gerade wir es aus unserer eigenen Erfahrung her kennen, können wir uns so gut in die die Lage der Freundin hineinversetzen und wissen, wie es ihr geht und was für sie das Richtige ist. Doch was, wenn wir nach all den Jahren, nach all den guten Tipps und Ratschlägen, im Grunde selbst die Versager unseres Liebeslebens sind?
Die Liebe kennt keine Regeln und Spiele. Mit Spielchen bekommen wir kurzfristig etwas, doch das, was wir meist aus tiefstem Herzen anstreben, erreichen wir durch wahre Gefühle und nicht durch Spielchen. Wir können uns durch ein paar Regeln interessant machen, aber können wir es dadurch auch halten?
Eine Beziehung muss auf Liebe beruhen, denn nur dann kann sie Probleme, die nun mal im Laufe der Zeit aufkommen, ob man will oder nicht, überwinden.
Im Laufe der Zeit haben viele bei mir Rat gesucht, Frauen und Männer. Doch trotz 90 Kolumnen, trotz all meiner Erfahrungen, die sowohl positiv, als auch negativ waren, muss ich mir eingestehen – Ich weiss es nicht besser. Mein Rat hat in vielen Situationen geholfen, doch was ist mit meinem eigenen Leben? Brauche ich dafür jemanden, der mir hilft? Oder gibt es vielleicht keinen Rat, wenn es um das Herz geht?
Wir können der Freundin sagen, dass sie ihn vergessen soll, können sie ablenken und ihr tausend andere Männer vorstellen, doch den Schmerz, den Kummer und die schlaflosen Nächste können wir ihr nicht nehmen. Die Ratschläge sind wichtig und hilfreich sie von einem Telefonat abzuhalten, sie davon abzubringen wieder und wieder ihm zu schreiben, doch können wir sie nicht dafür verurteilen, wenn sie es eines Tages doch wieder macht. Denn wir stecken nicht in ihrer Haut.
Jede Frau, jeder Mann hat in seinem Leben die große Liebe seines Lebens schon einmal gehabt und jeder kennt sie anders, jeder geht anders damit um. Und gerade die Liebe, die nie erwidert wurde, die so kompliziert, aber dennoch sehr leidenschaftlich war, ist meist die Liebe, die am schwersten zu überwinden ist.
Ich vergleiche gerne diese Art von Liebe mit Sucht. Denn wir verhalten uns manchmal nicht anders als ein Süchtiger. Er ist Gift für uns, tut uns nicht gut, macht uns kaputt und scheisst auf uns, denn wir sind nur eine von vielen. Haben wir ihn nicht bei uns, geht es uns schlecht. Machen wir einen Entzug, um von ihm loszukommen, geht es uns meist nicht besser. Wir glauben es nicht ohne ihn schaffen zu können und werden rückfällig. Fragen wir einen Alkoholiker oder Drogenabhängigen bekommen wir vermutlich die gleichen Symptome gesagt.
Am 16. Februar 2009 schrieb ich meine erste Kolumne für meinen Blog. Fast zwei Jahre später kann ich sagen, dass ich einiges gelernt habe. Ich habe gesehen, dass es viele Frauen gibt, die verzweifelt einen Partner suchen, die sich darüber ärgern, dass er sich so verhält wie er sich verhält, die einen Mann bekommen, ihn aber dann wieder verlieren und ich habe Männer gesehen, die das gleiche Problem haben – mit Frauen. So viel uns Frauen von Männern unterscheidet, so vieles haben wir gemein.
Ich bin an einem Punkt angelangt, an dem ich mich verabschieden möchte. Ich danke euch dafür, dass ihr jeden Montag meinen Blog besucht habt, ihr euch meine Geschichten angehört habt, mit all den Klischees, Verallgemeinerungen und Widersprüchen.
Es wird weitergehen, anders – Ich halte euch auf dem Laufenden…
Kolumne 89: En vogue oder auch nicht
23. Januar 2011
Hohe Schuhe oder doch lieber die flachen? Ein Kleid, eine Hose oder ein Overall? Die Antwort auf viele Fragen und viele Gedanken, sie muss gut überlegt sein. Die Fashion Week war mit all ihrem Trubel zugange und viele von uns mit dabei.
Zu dieser Zeit finden wir Menschen, die in Sachen Mode etwas zu sagen haben. Viele von ihnen sind voller Stil und Kult – wer sie sind, sind was sie tragen. Wer in der ersten Reihe sitzt ist Promi, wichtig oder hat wie ich eine einflussreiche Freundin. Anhand der ersten Reihe kann man nicht nur erkennen, welcher Designer sich einen Namen in der Branche gemacht hat, man kann auch sehen wie traurig die deutsche Promilandschaft ist. Neun Live gleichzusetzende Moderatorinnen, möchte gern Schauspieler oder „Die Frau von“ stehen vor der Fotowall, sitzen mit einem Glas Champagner in der Launch oder oder. Die wirklichen Promis sitzen da auch, eingeflogen aus den Staaten. Neben den VIPs gibt es noch die exzentrischen Modegurus, die meist mit einer Sonnenbrille im Gesicht in den Reihen sitzen. Sonnenbrillen, um noch wichtiger zu erscheinen oder zu demonstrieren, dass sie ach herje auf so vielen VIP Partys sind und deshalb übernächtigt sind.
Voller Neid bewundere ich die Models für ihre Disziplin und ihren Hungerwahn, aber was sage ich, die essen ja alle ganz normal und werden halt nicht dick. Voll gestopft mit Häppchen, zur Seite gedrängt von den Wichtigen, die fotografiert werden müssen, sitze ich in der ersten Reihe und gebe ehrlich zu, dass mich diese Welt fasziniert. Man wird begutachtet, es wird getuschelt „Wer ist sie, was macht sie?“ Die Mode schön anzuschauen, steht aber die Gästeliste und der Promiauflauf mehr und mehr im Vordergrund. So oberflächlich man von Kopf bis Fuß bemustert wird – die Gespräche laufen jedoch schnell auf ein Business-Talk hinaus – man kann Kontakte knüpfen wohin man schaut. Wenn man will.
Kleider machen Leute, doch frage ich mich oft, ob die Kleider zu den Leuten innerlich und äusserlich passen? Figur, Teint, Haarfarbe und Alter sind Attribute, die man durchaus bei der Kleiderauswahl berücksichtigen muss. Auch ist man nicht langweilig, wenn man dezente und schlichte Klamotten trägt und hat keinen ausgeflippten Charakter, wenn man orange, grün und gelb kombiniert. Auf Teufel komm raus etwas darzustellen, weil es „cooler“ oder „interessanter“ scheint, zieht vielleicht im ersten Moment Aufmerksamkeit, doch keiner wird dieser gerecht, solange der Charakter und der Lifestyle nicht dazu passen.
Gerade in Berlin erkennt man zur Fashion Week, wie nicht individuell wir alle sind. Wir wollen alle ja so unterschiedlich anders aussehen und sind im Grunde alle Abziehbilder der Anderen. Nerd-brille und bunte Socken zu hoch gekrempelter engen Röhre, Vinatage-Look und Mode aus Amtserdam – ich sehe total anders aus, doch leider nicht am Hackeschen Markt, sondern in Kleinmachnow.
Kolumne 88: Heute bist du dran mit Abwaschen
17. Januar 2011
Wenn man Single ist, möchte man in einer Beziehung sein, wenn man einen Partner hat, ergeben sich plötzlich Situationen, bei denen man denkt „Jetzt wäre ich gerne Single.“
In einer Beziehung zu sein und öfter den Wunsch nach ’allein sein’ zu haben ist bekanntlich ein Zeichen dafür, dass man noch nicht den passenden, oder sagen wir für sich perfekten Partner gefunden hat. Denn wer glücklich und verliebt ist, möchte jede freie Minute mit dieser Person verbringen, vermisst ihn schon beim Verlassen des Hauses und schläft am liebsten jede Nacht mit ihm ein. Party machen und Abende mit Freunden werden verschoben – die Zeit mit dem Freund bzw. der Freundin wird mehr und mehr zum Fokus im eigenen Leben.
„Ich werde nicht mehr so schnell mit einem Mann zusammen leben“ oder „In einer Partnerschaft braucht man Freiraum, man darf sich nicht jeden Tag sehen“ sind Sätze, die man sich selbst immer wieder als Single hinter die Ohren schreibt, Freunden rät, in einer Beziehung dann aber selbst nicht einhalten kann und will. Man möchte den Moment genießen, täglich.
Wenn wir nach den alten Traditionen gehen, und ich weiss, ich wiederhole mich in den ein oder anderen Punkten, dann sind Paare erst einmal eine Weile zusammen bevor sie zusammen ziehen, kennen sich eine Zeit lang, bevor sie heiraten und bekommen dann erst Kinder. Ob es in den ein oder anderen Kleinstädten immer noch so ist, sei mal dahingestellt – in Großstädten weht schon länger ein anderer Wind. Hier zäumen wir Pferde von hinten auf, und nicht immer geht die Sache schlecht aus oder schlechter als wenn man den „klassischen“ Weg gegangen wäre.
In so vielen Dingen leben wir im Hier und Jetzt, machen uns keine Gedanken was morgen ist. Wir kaufen uns mit unserem Studentengehalt Chanel Taschen, weil wir sie jetzt wollen, meist ohne Wissen, was in einer paar Monaten für Rechungen anstehen und wofür wir das Geld vielleicht anderweitig verwenden müssten. Uns ist es erst einmal egal. Was also hindert uns daran, auch in einer Beziehung im Hier und Jetzt zu leben? Auf der einen Seite tun wir es, indem wir unsere Freunde versetzen und lieber mit unserem Freund auf der Couch Fern schauen. Hierbei denken wir nur an das Jetzt und nicht an die Konsequenz, dass wir auf unsere Freunde möglicherweise nach einer Trennung zurückgreifen müssen, dass wir sie mit unserem einseitigen Handeln traurig machen. Auf der anderen Seite wägen wir ab, wenn es um „größere“ Schritte wie das Zusammenziehen geht, oder sogar das Heiraten. Die Konsequenz aus beiden Situationen wäre eine schöne, wenn alles beim Alten bleibt. Doch denken wir hier nicht an die positiven Seiten, sondern an die Konsequenzen, wenn es scheitert. Denn da wäre nicht nur ein erneuter Umzug mit den mit sich bringenden Kosten, da wäre auch die Scheidung, mit all dem Scheiss, der auf uns zukommen würde. Wir verurteilen Leute, die nach zwei Monaten heiraten, schüttern den Kopf und führen uns wie Moralapostel auf, wenn Paare nach wenigen Monaten zusammen ziehen. „Das ist zum Scheitern verurteilt.“ Und nun meine Frage: Genießen wir nur den Moment und nutzen ihn oder beschwören wir ein Scheitern mit solch einem Denken und Handeln herauf?
Denn was ist schöner als in einer gemeinsamen Wohnung zu sein, in der Verliebtheitsphase eines jeden Paares? Mann kennt die Macken des anderen nicht und deshalb kommen Streitereien schneller auf als wenn man erst einmal getrennt wohnen würde? Vielleicht. Doch was ist so schlimm daran es auszutesten. Dann zieht man halt wieder um, wenn es nicht klappt. Kann man das so leicht sagen? Schließlich geht es hier nicht um eine Sache, sondern um um eine Person und um Gefühle.
Ehrlich gesagt bin ich selbst hin und her gerissen und kann keine eindeutige Position zu diesem Thema ergreifen. Ich kenne das Zusammenziehen nach einem Monat und ich kenne den Wunsch mit jemanden zusammen zu ziehen, den man schon lange kennt. Der Wunsch ist da, doch kann man sich gerne hierbei fragen, ob man eher das Verlangen nach einer großen Wohnung hat, die man sich alleine nicht leisten kann, oder ob es tatsächlich der gemeinsame Haushalt ist, den man möchte!?
Kolumne 87: Der Freund meiner Freundin schnauft immer nach dem Sex
10. Januar 2011
Wie unterschiedlich Frauen und Männer sind, und auch wie fern sich Frauen- und Männerfreundschaften sind, kann mal pauschal gesagt sehr gut daran erkennen, wie sich die Freunde während und nach einer Beziehung verhalten.
Der Typ hat eine neue Freundin. Seine meist Single-Freunde verlieren plötzlich den Draufgänger ihrer Gruppe, sehen ihn nicht mehr so oft, wenn, dann eher tagsüber anstatt an gemeinsamen Saufabenden mit der Option, eine abzuschleppen oder zumindest Bräute anzumachen. Hat der beste Kumpel mal Streit mit seiner Freundin, erzählt er es meist nicht seinen Freunden. Es wird sich schon wieder einrenken. Sollte er es doch erzählen, werden die Freunde egoistischerweise ihm vielleicht raten, sich doch lieber zu trennen. Wer braucht schon eine Freundin. Lass mal lieber wieder um die Häuser ziehen und alles mitnehmen, was nicht bei drei auf dem Baum ist. Ein Mann braucht nur selten die Ratschläge seiner Freunde in Sachen Beziehung, es sei denn, es sind größere Probleme. Entweder wissen Männer, dass man auf den Rat der Freunde manchmal durchaus verzichten kann, sie nicht notwendig sind oder sie damit nicht nerven will. Vielleicht sind Männer aber auch schlauer und voraus schauender als Frauen, wenn sie gewisse Sachen für sich behalten und nicht gleich damit zu den Freunden rennen.
Denn Frauen ticken anders.
Das Mädchen hat einen Freund. Alle Freundinnen freuen sich total. Wollen die Freunde von dem neuen Freund kennen lernen, vielleicht kann man ja ein Vierer-Date rausschlagen und so Sachen wie Kino und Essen gehen machen. Das Mädchen ist glücklich und total verliebt, geht noch aus, aber nicht mehr so viel wie zuvor. Für die Freundinnen schade, aber kein großer Verlust, denn telefonieren tun sie eh jeden Tag und Teil der Beziehung sind sie auch. Neben dem Job und dem Schnarchen, wissen sie auch von seiner Schwanzlänge und seinen Kochkünsten. Als hätten Frauen keine Intimsphäre, sind so manche besten Freundinnen bis ins kleinste Detail aufgeklärt. Der Freund hat auf die letzte sms nicht geantwortet und nach fünf Anrufen danach auch nicht reagiert – Typen, mal davon abgesehen, dass sie nicht fünfmal angerufen hätten, gehen zum Sport oder reagieren sich anderweitig ab, die Frau ruft die Freundin an und kaut jeder noch erdenkliche Situation durch. „Vielleicht ist er noch sauer, weil ich gestern mit meinem Ex-Freund gesprochen habe“, „Kann das sein, dass mein Handy keine sms empfängt? Schreib mir mal bitte kurz eine“ oder „Möglicherweise hat er die sms falsch verstanden und weiss jetzt nicht wie er reagieren soll, oder….“
Die beste Freundin mitten auf der Titanic, überschwemmt mit Gefühlsausbrüchen und Spekulationen der Freundin, ist sie meist nicht kalt und hart wie Stahl, sondern entwickelt ebenfalls Mitgefühl wie Wut und Traurigkeit. Nur wenige Stunden später klärt sich die Situation auf, die beste Freundin wird aufgeklärt, dass der Kapitän wieder auf dem Traumschiff ist und alles ja gar nicht so schlimm war.
Und wenn man das ganze, abwechselnd in unterschiedlichen Situationen, mal 300 nimmt, dann kann man sich vermutlich gut vorstellen, warum es manchmal besser ist, nicht wegen jeder Kleinigkeit die Freundin anzurufen. Denn auch wenn ihre Ratschläge noch so gut sind – auch die Freundin macht sich ein Bild von der Freundin, dem Freund und der Beziehung. „Du bist, obwohl er so scheisse zu dir ist und ich mindestens 20 Nächte bei dir zu Hause war und dich getröstet habe, wieder mit ihm zusammen?“ Spätestens da merkt man dann, dass man zu weit gegangen ist und die Freundin nur bei den wichtigen Dingen hätte involvieren können, dann wären es vielleicht nur drei Nächte gewesen.
Männer sollten in wirklich wichtigen Angelegenheiten mit einem sehr guten Freund, oder sogar einer Freundin sprechen, denn oft brauchen sie noch mal eine andere Ansichtsweise von einer Sache, die ihnen die Augen öffnen könnte.
Frauen sollten nur bei wirklich wichtigen Angelegenheiten mit höchstens zwei Freundinnen sprechen und bei kleineren Dingen lernen, sich selbst zu helfen.
Kolumne 86: Und du stehst wirklich nicht auf sie?
2. Januar 2011
Die Gegenwart ist schön, sogar der Alltag macht Spaß, trotz Arbeit und Gewohnheiten. Alles glänzt und scheint vollkommen zu sein. Und dennoch plagen einen Ängste.
Warum viele Frauen die Gegenwart nicht genießen können und immer wieder Angst vor der Zukunft haben?
Die einen gehen in den Urlaub und genießen die letzten Tage vor der Abreise, andere können die letzten Tage nicht glücklich verbringen, weil sie nicht gehen wollen und nur daran denken, dass sie bald abreisen müssen. Man geht ins Kino, hat ein wundervolles Date und seinen Spaß, andere graut es vor dem Abschied und sind Minuten früher schon traurig und geknickt. Wir machen das Hier und Jetzt kaputt aus Angst, was nachher oder irgendwann kommt. Meist manipulieren wir mit unserer Eifersucht und Unsicherheit unsere eigentlich intakt laufende Beziehung, aus Angst, man könnte betrogen, verlassen oder gedemütigt werden. Wir misstrauen unserem Partner, weil wir es schon selbst erlebt haben oder bei Freunden sehen und stecken ihn in eine Schublade mit der Erwartung, er müsse sich rechtfertigen und uns vom Gegenteil überzeugen. Wir wünschen uns eine Sicherheit und verlangen sie von unserem Partner. Und hierbei liegt der Fehler. Wir geben dem Partner zu viel Macht, mit der er nicht nur nicht klarkommt, sondern auch völlig überfordert ist. Denn es liegt nicht in seiner Hand uns Sicherheit zu geben.
Sind wir eifersüchtig und unterstellen ihm Betrug, so hat nicht der Partner ein Problem, sondern wir. Ob wir nun mit unserem Verdacht richtig liegen oder nicht, ist dahin gestellt. Denn auch wenn er noch so oft „Ich liebe dich“ sagt und uns mit Komplimenten überhäuft – sicher sind auch Worte nicht.
Wir wollen uns schützen, den Drang hat jeder, doch müssen wir uns gut überlegen, wie unsere Aktionen ankommen und vor allem, wie unsere Konsequenzen aussehen sollen. Werden wir uns nicht von ihm trennen, so müssen wir auch nicht auf Jagd nach Anzeichen gehen. Denn spionieren wir unserem Partner nach und konfrontieren ihn mit unserem Handeln und Fund, so müsste unsere Aktion nur eine plausible Konsequenz haben – Trennung. Denn wenn wir nicht betrogen werden möchten, dann müssten wir unserem Partner klar machen, wo unsere Grenzen sind. Sollte er sich dann mit allen Mitteln um einen bemühen, so kann man sich überlegen, ob man es wieder versucht oder sein lässt. Die Chance, dass er es dann erneut macht, ist vielleicht geringer. Doch immer wieder Nachforschungen betreiben und dennoch bei ihm bleiben, lassen unseren Stolz sinken, den Respekt uns und der Beziehung gegenüber auch.
Findet man nichts, dann gut. Doch sollte man sich fragen, wie es dazu kam, überhaupt nachgeschaut zu haben. Kein Vertrauen? Dann liegt der Fehler wohl tiefer. Entweder gebrandmarkt durch einen vorherigen Partner oder durch den aktuellen, der in der Vergangenheit nichts anbrennen ließ und man seine positive Entwicklung noch nicht ganz realisiert hat.
Doch sollten wir ab und an mal den Spieß umdrehen und sehen, wie solche Aktionen bei uns ankommen würden. Kein Mann ist attraktiv, der übertrieben eifersüchtig ist und uns hinterher spioniert. Keine Frau ist sexy, die ständig mit anderen Frauen konkurriert und sich hässlicher findet als die, mit denen ihr Typ, wie auch immer, zu tun hat. Denn auch wenn Männer nicht immer unseren Worten Gewichtung schenken, gewisse Dinge hören sie, und leider sind es manchmal die Falschen. „Du sagst mir nie, dass ich gut aussehe“ oder „Findest du mich eigentlich noch attraktiv“ prallen bei Typen ab. Sprechen wir sie aber auf Frauen an, auf die wir eifersüchtig sind, erreichen wir genau das Gegenteil. Wir unterstellen ihnen im Gespräch, dass er die Frau doch bestimmt toll finden muss, so sexy wie sie ist, ihre langen, dünnen Beine und ob er nicht sehe, wie sie auf ihn stehe. Und wenn der Mann bis jetzt wirklich kein Interesse an dieser Frau hatte, jetzt hat er es. Die langen, dünnen Beine sind ihm bislang nicht aufgefallen und auch, dass sie ihn anbaggere. Dummerweise haben wir dem Mann auf die Vorzüge aufmerksam gemacht und zumindest sein Interesse geweckt oder seine Gedanken angekurbelt.
Daher ist es manchmal, und ich weiss wie schwer es fällt, besser den Mund zu halten. Und das hat nichts mit Naivität zu tun, sondern mit Stärke und Achtung. Ich bin stark und ich achte mich. Wenn er mich betrügen will, dann tut er das so oder so, egal ob ich ins Handy geschaut habe oder nicht. Und wenn ich es herausfinden soll, dann wird man mir schon ein Zeichen geben, aber ich werde nicht danach suchen.
Der Schmerz betrogen zu werden, wird nicht besser, wenn man es eigenmächtig durch Spionage herausgefunden hat. Und das Risiko, die schöne Gegenwart dadurch kaputt zu machen, wenn man Belangloses findet, ist zu groß. Die Sicherheit, die wir allzu oft vom Partner verlangen und erwarten, steckt eigentlich in uns. Was wir wollen und uns wünschen wird auf unseren Partner über kurz oder lang übertragen, auch ohne Worte. Denn finden wir uns attraktiv, sexy und schön, so strahlen wir das auch aus. Und spätestens wenn andere Typen sich auf der Straße nach einem umschauen, wird der Partner erkennen, welch tolles Fahrwerk er da neben sich hat.
(Und natürlich gibt es viele Varianten von Betrug und Gründe um eifersüchtig zu sein. Wie immer nur ein kleiner Teil meiner Ansicht)
Kolumne 85: Alle Jahre wieder
5. Dezember 2010
Die Stadt ist weiss. Wohin man schaut liegt Schnee auf den Dächern, auf den Straßen. Schaut man aus dem Fenster hat man das Gefühl, als würde die Stadt schlafen. Alles ruht. Die zweite Kerze wurde angezündet – Weihnachten liegt nur noch wenige Wochen vor uns. Mehr und mehr spielt sich das Leben in den warmen vier Wänden ab. Nur selten hat man große Lust raus zu gehen. Gerade für Singles ist diese Jahreszeit die Herausfordernste überhaupt. Dem Frühling sagt man nach, dass da die Frühlingsgefühle geweckt werden, dass sich Singles verlieben und Pheromone umherschwirren. Doch was passiert im Winter? Die Gefühle sind nicht überdeckt von Schnee, auch liegen sie nicht gefroren in der Ecke. Gerade im Winter sehnen wir uns nach einem Partner, um die kalten Tage nicht allein zu Hause zu verbringen.
Dass sich suchende Singles zu jeder Jahreszeit einen Partner wünschen ist nicht auszuschliessen. Doch ist der Drang in manchen Monaten größer als in anderen. So können wir von Mai bis Oktober sicherlich ganz gut alleine leben. Das Leben spielt sich in der freien Natur ab, zu jeder Zeit kann man raus ohne darüber nachzudenken, was man alles anziehen muss, hat Single-, aber auch Pärchen-Freunde, die jedes Hobby mit einem teilen, auf jedes Event mit einem gehen und für Sex findet man, je nach Wunsch, auch jemanden. Menschen, die einen großen Freundeskreis haben, mögen in diesem Moment vermutlich denken, dass sie noch nie Probleme mit dem Alleinsein hatten, dass sie zu jederzeit jemanden bei sich haben können, zum Chillen, Essen, DVD schauen, ausgehen – egal zu welcher Jahreszeit. Dem möchte ich nicht widersprechen. Doch gibt es Menschen, die zwar Freunde haben, die aber entweder mehr aus Pärchen bestehen, nicht immer für alles verfügbar sind oder eben nicht für alles Gewünschte herhalten können.
Manchmal wünschen wir uns Dinge, sehnen uns nach Dingen, nicht weil wir sie unbedingt brauchen, sondern weil wir denken, sie zu brauchen. Sei es materielle Dinge wie ein iPad, dem neuen iPhone oder neuen Schuhen – aber auch in Sachen Emotionen kommt mehrmals im Jahr das Gefühl auf “jetzt wäre ein Partner nicht schlecht.“ Sei es auf einer Hochzeit, wo man mit Oma in einem Zimmer schläft, weil sich die Geschwister mit ihrem Partner ein Zimmer teilen und der Single und Oma nur noch übrig sind, sei es nach einer Operation, wo die beste Freundin unter der zu erreichenden Notfallnummer steht oder an Silvester, wo sich Pärchen den obligatorischen Kuss um 0 Uhr geben und sich ein frohes neues Jahr wünschen und man selbst wieder nur mit der Freundin am 20sten Sektglas hängt und man sich gegenseitig zum hoffentlich letzten Mal einen Partner fürs kommende Jahr wünscht.
Als wäre eine Beziehung im Winter wie der Kaffee am Morgen, ohne den man den Tag nicht starten kann, entwickelt man plötzlich zu dieser Jahreszeit ein Verlangen, gegen das man nur mit Freunden oder der Arbeit “ankämpfen“ kann. Es wird kälter draussen, der erste Dezember naht und Pärchen berichten von ihren selbst gebastelten Adventskalendern – die Alarmglocken läuten und man denkt sich: „Shit, ich müsste doch so etwas auch haben.“ Glücklich gewesen in den letzten Wochen mit der Situation und stets so gewollt, projiziert man die vermeintlich “heile Welt“ auf einen und zweifelt an dem, was man eigentlich gut fand. Winter bedeutet kuschelig, warm, vertraut, heisse Schokolade, Glühwein und Plätzchen, Weihnachtsmarkt und Geschenke, Silvester und Vorsätze, Frust und Depressionen. Und genau das, möchte man in Gemeinsamkeit teilen.
An Weihnachten trifft sich die Familie und man ist erneut mit Oma der einzige Single unter den Gästen. Der Kindertisch zum Glück abgeschafft, würde man vermutlich sonst da noch Platz nehmen müssen. Wünsche fürs kommende Jahr auf den Platzkarten wie ’Gesundheit’, ’Erfolg’ und ein ’sorgenfreies Leben’, steht bei dem Single ’Liebe & Beziehung’ darauf. Und auch hier – Man kann noch so zufrieden sein mit seinem Leben und den Umständen – die Aussenwelt versucht immer wieder einen in ein Licht zu stellen, in dem man sich nicht sieht oder sehen will. Der traurige Blick, wenn man sagt, dass man auch in diesem Jahr niemand Besonderen gefunden hat, der besorgte Blick, wenn man berichtet, wie man eigenmächtig seine Wohnung renoviert hat und der unglaubwürdige Blick, wenn man sagt, dass man glücklich mit der Situation ist. Sie wünschen einem nur das Beste, doch ist das Beste wirklich eine Beziehung zu haben?
Hiermit verabschiede ich mich und wünsche allen Singles und Pärchen wunderschöne Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Vielen Dank an die vielen Leser, die zahlreichen Kommentare und euer Feedback im Jahr 2010. Ich freue mich auf Januar 2011, wenn es wieder weitergeht!

